Jazirat Al Hamra - Ghost Town

Eine spannende Reise in die Vergangenheit

Die rasante Entwicklung in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit ihren Megaprojekten, die nicht nur Dubai, sondern auch Ras al Khaimah ein neues Gesicht gegeben haben, lässt kaum noch eine Vorstellung davon zu, wie es im Wüstensand noch vor wenigen Jahren ausgesehen hat. Eine Ausnahme bildet die in der Mitte des 20. Jahrhunderts (1968) verlassene Stadt Jazirat al Hamra in Ras al Khaimah.

"Rote Insel", so die Übersetzung von Jazirat al Hamra, war einst eine lebendige kleine Stadt auf einem Landstrich, der bei Flut vom Meer umspült und so zeitweise zur Insel wurde. Über Jahrhunderte waren hier Menschen zu Hause, die ihren Lebensunterhalt mit dem Fischfang und dem Perlenhandel verdienten. Sie hatten in ihrer Gemeinde alles, was eine richtige Stadt ausmacht, bis hin zu einem Fort, das sie vor ungebetenen Gästen und anderen Eindringlingen schützen sollte. Es gab einen kleinen Markt, mehrere Moscheen sowie zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser. Von einfachen Fischerhütten bis hin zu den reich verzierten Palästen und prächtigen Gärten der wohlhabenden Perlenhändler reichte die Bandbreite der Architektur in Jazirat al Hamra.

Mitte des vergangenen Jahrhunderts jedoch begannen sich die Zeiten zu verändern. Das Öl brachte nicht nur Wohlstand, sondern auch ganz neue Chancen des Broterwerbs. Nach und nach verließen die Bewohner ihre kleine Stadt, um die Möglichkeiten der neuen Zeit zu nutzen. Was zurückblieb, waren ihre Häuser und öffentlichen Bauten, die heute ein ebenso beredtes wie einzigartiges Zeugnis davon ablegen, wie das Leben vor dem Öl ausgesehen hat. Mehr als 100 Gebäude sind erhalten geblieben. Während einige schon recht verfallen sind, präsentieren sich andere in einem erstaunlich guten Zustand.

Traditionell waren die Gebäude aus dem leichten Korallengestein errichtet worden, das an der gesamten Küste der Emirate zu finden ist. Nirgendwo in den Vereinigten Arabischen Emiraten kann man diese alte Baukunst besser studieren als in den Ruinen von Jazirat al Hamra. Bei einem Rundgang durch diese einmalige "Geisterstadt", die etwa 20 Kilometer südwestlich von Ras al Khaimah-Stadt liegt, sollten einige der außergewöhnlichen Gebäude auf keinen Fall ausgelassen werden.

Das Fort

Obwohl wenig von der Verteidigungsanlage erhalten geblieben ist, ist zu erkennen, dass das Fort einen rechteckigen Grundriss hatte und von zwei mächtigen Türmen aus bewacht wurde. Während einer der Türme, der eine kreisförmige Grundfläche hat, heute nicht mehr bestiegen werden kann, bietet sein leicht zu bezwingendes rechteckiges Pendant einen herrlichen Blick über den gesamten Ort.

Das Windturmhaus

Nahe der Küste liegt ein beeindruckender Gebäudekomplex, der einst von den Mitgliedern einer reichen Großfamilie bewohnt war. Rund um einen Innenhof gruppieren sich verschiedene Wohngebäude und die typischen Windtürme, die innerhalb der Mauern der Anlage für angenehme Temperaturen gesorgt haben. Das Windturmhaus diente bereits bei einer TV-Produktion als imposante historische Kulisse.

Die Moschee mit konischem Minarett

Eine der Moscheen in Jazirat al Hamra zeichnet sich durch die besondere Architektur ihres Minaretts aus, dessen konische Formgebung sonst nur auf der anderen Seite des Arabischen Golfs zu finden ist.

Das Ahmed al Omran Haus

Das Haus eines reichen Perlenhändlers zeugt vom großen Wohlstand und der damit verbundenen Bedeutung seines Besitzers. Besonders bemerkenswert sind die wundervollen Ornamente im Empfangsraum des Haupthauses, der sich in der ersten Etage des Gebäudes befindet. Die eindrucksvolle Architektur mit schwungvollen Bögen und reich verzierten Nischen im arabisch-indischen Stil sind nicht nur dekorativ, sondern unterstützen effektiv die Versorgung der Wohnräume mit kühler Luft.